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Kölner Bach-Verein feiert 80. Geburtstag mit einem Festkonzert im Alten Pfandhaus
[Marianne Kierspel] - "Die Torte zum 80. Geburtstag stand bereit. Im Alten Pfandhaus feierte der Bach-Verein Köln, er zeigte sich als vielseitiger Kammerchor mit Präzision, Klangfülle, A-cappella-Qualitäten und gleich 30 eigenen Solisten. Der künsterlische Leiter Thomas Neuhoff animiert seine 55 Sänger und Sängerinnen dazu, die Stimme auszubilden und sich bei Talent auch mal solistisch zu produzieren. Diese Chance lockt auch Herren. Zweites Plus war das schön kurzweilig komponierte Festprogramm "Bach+vier Jahrhunderte", eine Zeitreise von Desprez bis Bartók, Britten. Bach selbst lieferte mit der Flötenpartita Zwischenspiele zum Vokalprogramm vom Lied über Mahlers Himmelschor bis zur Opernszene mit komödiantischen Talenten. Jede neue Epoche leitete die junge türkische Flötistin Ayla Emanet mit einem von Bachs Tänzen beschwingt ein. Zu den schönsten Stücken gehörten Madrigale von Monteverdi, die Neuhoffs junger Kollege Daniel Spaw am Cembalo begleitete. Der Chor selbst agierte derart sicher, dass er einen Purcell-Satz treppauf, treppab singen konnte. Denn, drittes Plus, der Bach-Verein hat im Pfandhaus einen weiteren akustisch guten Raum entdeckt, den Lichthof. Apropos Konzertsäle: Die Mieten steigen. 'Ein Philharmoniekonzert mit Orchester und Solisten kostet die Chöre inzwischen bis zu 50 000 Euro. Sogar ein A-cappella-Konzert in einer Kirche ist heute nur noch mit Spenden zu finanzieren', erklärt Martin Füg am Rande des Festes. Füg wünscht sich mehr Dialog zwischen den Klassik-Akteuren. Wie aber begegnet man dem Publikumsschwund, wie gewinnt man die Jugend? Der Musikunterricht in Schulen wird immer spärlicher. Da müssen die Musiker selbst gegensteuern. Der Bach-Verein, der 1931 mit dem Ziel entstand, Bachs Werke vielen Hörern nahezubringen, ist längst wieder aktiv. Thomas Neuhoff leitet pädagogisch gute Angebote für Kinder und Schulen. Das aber verlangt enormen Zeitaufwand. Da sollten andere Chöre mitziehen." [Erschienen in: Kölner Stadt-Anzeiger, 21. Juni 2011]
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Der Kölner Bach-Verein feiert am Sonntag sein 80-jähriges Bestehen
Der Bach-Verein Köln wird 80 Jahre alt - gefeiert wird am Sonntag mit einem Matinee-Konzert im Alten Pfandhaus. Mit dem Künstlerischen Leiter Thomas Neuhoff sprach Olaf Weiden:
Im nächsten Jahr sind Sie zehn Jahre Dirigent des Bach-Vereins - und scheinen es gut miteinander auszuhalten ... Ja, ich habe gerade um weitere vier Jahre verlängert.
Wie haben Sie den Chor geprägt? Wir haben ein breites Spektrum an neuen Aktivitäten entwickelt. Der Chor hat sich speziell in den letzten Jahren sehr stark verjüngt. Und alle machen begeistert mit bei den Dingen, die ich so vorschlage.
Fungieren Sie als Schatzgräber der Chorliteratur? Wir haben einige Raritäten der Chormusik neu gehoben und das setzen wir fort. Im nächsten Jahr werden wir mit dem Gürzenich-Orchester ein selten gespieltes Werk aus dem Angelsächsischen angehen.
Gehören Ausgrabungen zum Kerngeschäft des Chores? Der Bach-Verein wurde gegründet, um Bachs Werk in immer wieder neuer Interpretation vorzustellen. In den letzten sechs Jahren haben wir in dem Zyklus "Bach plus" alle Bachmotetten in Kombination mit anderen Komponisten aufgeführt.
Der Name bleibt also Programm? Auch in der nächsten Saison bleibt Bach der Grundpfeiler. Es gibt die Johannes-Passion, bei der sich stets neue Dinge erschließen. Für viele junge Choristen im Bach-Verein ist dies zudem die erste Begegnung mit dieser Passion.
Junges Publikum scheint Klassik immer mehr zu scheuen Den Publikumseinbruch auf breiter Front bemerken wir natürlich auch bei unseren Konzerten. Dagegen muss man angehen. Bei einem Konzert mit einem Händel-Oratorium in Kombination mit einem neuen Auftragswerk haben wir ein Schülerprojekt organisiert, das am Ende allein 400 Schüler in unser Konzert gezogen hat - da muss man kreativ werden.
Birgt das nicht auch Folgen für den Etat? Das Problem heißt: Finanzierung eines großen chorsinfonischen Konzertes. Die Kosten für die Nutzung der Philharmonie erhöhen sich kontinuierlich, sie überschreiten heute weit die 10 000-Euro-Grenze. Das müssen wir erstmal erwirtschaften!
War früher alles besser? Wir hatten noch vor zwölf Jahren ein sehr gesundes Spenden-Fundament von Bayenthaler und Marienburger Sponsoren, das Defizite auffangen konnte. Das gibt es in dem Maße nicht mehr.
Was könnte man dagegen tun? Vor geladenen Gästen habe ich mal ein Hauskonzert dazu genutzt, zu erzählen, was ein repräsentatives Konzert so kostet. Da hat anschließend einer der Gäste die Philharmoniemiete für unsere h--Moll-Messe gespendet - das war natürlich großartig, bleibt aber leider ein Einzelfall.
Gibt es keine alternativen Konzertstätten? Wir musizieren sehr gern in dem tollen Konzertraum der Trinitatis-Kirche. Aber auch hier stiegen die Kosten für die Tagesmiete, denn der "Saal" hat sich jetzt selbst zu finanzieren. Wir haben dahier im letzten Jahr morgens geprobt, nachmittags ein Konzert für Kinder und abends dann die normale Aufführung gesungen - ein echter Kraftakt.
Was bedeutet die kuriose Preisgestaltung zum Jubiläumskonzert am Sonntag? Wir wollen einmal zeigen, dass Geld ein Thema ist. Unser Publikum kann sich entscheiden, ob es 8, 18 oder 80 Euro für die Eintrittskarte bei freier Platzwahl bezahlt. Die ersten Karten im Vorverkauf gingen prompt für 80 Euro weg.
Reden wir nicht viel zu viel über Geld statt Musik? Es ist im Moment eben ein starkes Thema ...
[Erschienen in: Kölnische Rundschau, 18. Juni 2011]
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Bach+vier Jahrhunderte
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