PRESSE-ECHO ZUM KONZERT
Sendereihe: TonArt - Thomas Neuhoff im Interview

Faszination musikalischer Orient I: Kulturübergreifende Konzerte

Die Sendereihe TonArt ist WDR 3 hat sich zum Thema "Faszination musikalischer Orient" verschiedene aktuelle Projekte näher angesehen, darunter auch das Konzert des Bach-Vereins Köln mit Händels "Israel in Egypt" und Rabih Lahouds "Joseph Lamento" am 27. März 2011 in der Kölner Philharmonie.
Den vollständigen Beitrag, u.a. mit einem Interview mit Thomas Neuhoff zu diesem Thema finden Sie unter:

http://www.wdr3.de/tonart/details/artikel/wdr-3-tonart-b6b3bee635.html



"Händel mustergültig"

Kölner Bach-Verein

(Gerhard Bauer] - Der Konflikt in Händels Oratorium "Israel in Ägypten" stammt zwar aus dem Alten Testament, bewegt die Welt aber bis heute. Dem hat der Kölner Bach-Verein Rechnung getragen, indem er seiner Händel-Aufführung die Kantate "Joseph-Lamento" des libanesischen Komponisten Rabih Lahoud (Jahrgang 1982) voransetzte. Wie weit die Parallelisierung von biblischer Vorlage und aktueller Krisensituation zu Bewusstseinserweiterung, Gewissenserforschung oder Läuterung beiträgt, bleibe dahingestellt, rein musikalisch aber überzeugt und ergreift Lahouds knappe Komposition. Auf einem von dem palästinensischen Nationaldichter Mahmoud Darwish (1941-2008) inspirierten Text kombiniert die Kantate althergebrachte psalmodierende Trauer- und skandierende Hass-Gesten mit Elementen des arabischen Kanons, aus dem emotional dichten Gewebe lässt sich am Ende die Hoffnung auf eine Menschheit in Eintracht ablesen.

Kraft, Ethos und Wahrheit
Lahoud selbst sang die Joseph-Worte mit flehentlich großer Heiligkeits-Allüre, die Chöre von Bach-Verein, St. Lukas und der Simrock-Schule Bonn malten Begleitung, Hintergrund und Kommentar. Das alles besaß Kraft, Ethos und Wahrheit. Übergangslos, aber im Kontext folgerichtig ging das Konzert mit Händel weiter: Jetzt schlug in Kölns Philharmonie die große Stunde der Chöre. Händel hat in Sonderheit bei der Darstellung der sieben Plagen wahre Wunder an Lautmalerei, kühner Harmonik, prägnanter Thematik und chorvirtuoser Polyphonie geschaffen, zu deren Realisierung es schon besonderer Kapazitäten bedarf. Aber vom ersten c-Moll-Schrei zum Herrn bis zum letzten C-Dur-Schrei zum Sturz ins Wasser war chorisch alles da - leidenschaftlich in der Stimmung, klar in der Struktur, perfekt in der Technik, betörend im Klang. Thomas Neuhoff, der Dirigent, kann für seine Erziehungsarbeit und gestalterische Fantasie nicht genug gelobt werden. Sechs tüchtige Vokalsolisten und das fabelhafte Instrumentalensemble "Concerto con Anima" komplettierten das Musterbeispiel zeitgenössischer Händel-Kompetenz. (Erschienen in: Kölner Stadt-Anzeiger, 29. März 2011)



"Auf neuen Wegen"

Bach-Verein: Thomas Neuhoff dirigiert Händel und Lahoud in der Kölner Philharmonie

[Christoph Zimmermann] - Köln. Händels Oratorium "Israel in Ägypten" stand zwar eindeutig im Zentrum des Konzertes des Kölner Bach-Vereins in der Philharmonie. Doch mindestens ebenso spannend geriet die Uraufführung von Rabih Lahouds "Joseph-Lamento", die Thomas Neuhoff als Dirigent und Leiter des Bach-Vereins dem Oratorium voranstellte. Das Stück wurde von einem Gedicht des palästinenischen Nationaldichters Mahmoud Darwish inspiriert, der die friedliche Koexistenz mit Israel zu seiner Lebensaufgabe gemacht hatte. Für Lahouds "Joseph-Lamento" mit seiner arabisch gefärbten Melodik mag als auffälligster Moment ein großes Seufzer-Crescendo stehen, das von der Klasse 8b der Karl-Simrock-Schule für Berufsorientierung Bonn realisiert worden war. Die Jugendlichen waren bereits im Vorfeld gemeinsam mit verschiedenen Klassen anderer Schulen an der Entstehung dieses Projektes beteiligt gewesen. Bestechend gerieten den Sängern des Bach-Vereins, die durch den Jugendchor der Bonner Lukaskirche verstärkt wurden, die heiklen Intonationen des Lamentos.

Stimmgewalt war dann besonders bei Händel gefordert, zumal bei "Israel in Ägypten" der Chor stark dominiert. Die Solisten hatten sich mit wenigen Auftritten zu begnügen. Aus dem stimmigen Ensemble (Olivia Vermeulen, Gerhild Romberger, Ulrich Cordes, Thomas Bonni) wären der jugendlich leuchtende Sopran von Meike Leluschko und der charismatisch Bassbariton von Erik Sohn hervorzuheben. Der "Exodus"-Teil begeisterte auch mit seinen orchestral äußerst plastischen Schilderungen der ägyptischen Plagen, die das Alte-Musik-Ensemble Concerto con Anima souverän realisierte. Thomas Neuhoff dirigierte auch im dritten Teil, "Moses' Song", präzise und lenkte, wo nötig, dramatisch impulsiv.

Ursprünglich wurde das Oratorium vom Komponisten in drei Abschnitten konzipiert, doch hat sich die alleinige Aufführung der letzten Teile längst eingebürgert. Das mag mit dem Handlungs-Einschnitt nach der Todesklage der Israeliten um ihren Stammvater Joseph zu tun haben. Den originalen Beginn (basierend auf dem Funeral Anthem für Königin Caroline) wird Neuhoff in der Musiknacht am 10. September nachholen. [Erschienen in: Kölnische Rundschau, 29. März 2011]



"Händel: Kölner Bach-Verein, Thomas Neuhoff"

[Christoph Zimmermann] - Der hohe Anspruch dieser Aufführung war bereits dem engagiert aufgemachten Programmheft (u.a. mit religionswissenschaftlichen Beiträgen) zu entnehmen. Auch ein Schulprojekt hatte die Aufführung von Händels "Israel in Ägypten" im
Visier, speziell das Thema des Exodus. Der erste Teil des Oratoriums, die Klage von Joseph, dem Stammvater der Israeliten, wird nur selten gegeben. Neuhoff wird es gesondert nachholen. Für dieses Mal wählte er zur Auffüllung ein Auftragswerk, nämlich Rabih Lahouds
"Joseph-Lamento". Der Komponist ist musikalisch westlich orientiert, läßt aber doch eindeutig spüren, dass er aus dem Libanon stammt.
Das Konzept der Aufführung also: Kontrastreiche Musik, gleichzeitig friedensstiftender Akzent über diese hinaus. in Lahouds Tonsprache kann man sich emotional durchaus zurecht finden; der Komponist gab die Vokalsoli mit inbrunst. Das Händel-Werk lebte von Neuhoffs gleichermaßen strengem wie flexiblem Dirigat. Chor und Orchester (Concerto con Anima) musizierten vorbildlich. Unter den Solisten fielen die Sopranistin Meike Leluschko, vor allem jedoch der charismatische Bariton von Erik Sohn auf. [Erschienen in: Köln-Bonner Musikkalender, Mai 2011]




Presse-Echo zur Einführungsveranstaltung