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Thomas Neuhoff dirigierte "Das Buch mit sieben Siegeln" in der Philharmonie
[Stefan Rütter] - Ein extremer Nachzügler der romantischen Oratorientradition ist Franz Schmidts "Das Buch mit sieben Siegeln". Das 1938 uraufgeführte Werk ist heutzutage nur selten zu hören - vielleicht auch wegen seiner erheblichen aufführungstechnischen Probleme. Umso höher ist das Engagement des Philharmonischen Chores Bonn und des Chores des Kölner Bachvereins zu würdigen, die das schwierige Stück unter der Leitung von Thomas Neuhoff in der Kölner Philharmonie mit großartigem Erfolg schulterten.
Schmidt hat den bilderreichen Text aus der Offenbarung des Johannes eher episch als dramatisch vertont - trotz eines großen chorischen und orchestralen Aufgebots sind theatralische Effekte sehr maßvoll eingesetzt. Die apokalyptischen Schrecken finden gewissermaßen im Tonsatz statt, ausgedrückt durch eine kunstvoll verzweigte, zuweilen auch maßlos überladene Chromatik, die nahezu jede Chornummer zum Prüfstein macht.
Große Kunst wurde auf allen Seiten geboten Die vereinigten Köln-Bonner Sänger bestanden hier über zwei pausenlose Stunden hinweg mit Bravour, bewiesen bis zum Schluss ungetrübte Einsatzpräzision und eine beeindruckende Reinheit der Intonation. Die Textverständlichkeit war bei den 150 Choristen vorbildlich. Für die dominierende Partie des Propheten Johannes (er singt buchstäblich die Hälfte des Werkes alleine) hat Schmidt einen Heldentenor vorgesehen. Den gab es hier nicht, was aber der Aufführung keinesfalls zum Schaden geriet: Luca Martin stemmte die mörderische Partie nicht heroisch durch, er machte vielmehr die Figur des Predigers sprachlich differenziert und mit lyrischer Emphase glaubhaft. Thomas Laske, kurzfristig eingesprungen, gab der "Stimme des Herrn" mit kultiviertem und klar zeichnendem Bariton Würde und Autorität. Julia Borchert (Sopran), Gerhild Romberger (Alt) und Andreas Wagner (Tenor) standen in Stimmschönheit und Sorgfalt der Deklamation nicht nach.
Der hochvirtuose Orgelpart lag bei Johannes Geffert in besten Händen; das "Kölner Sinfonieorchester" war deutlich hörbar aus den Spitzen der hiesigen Orchesterszene gebildet. Die Fäden dieser großartigen Aufführung liefen bei Thomas Neuhoff zusammen, der die komplex geschichtete Partitur zu maximaler Durchsichtigkeit brachte, Übergänge und Steigerungen mit souveräner Hand formte und dafür sorgte, dass ein gefürchteter spätromantischer Schinken sich in ein pulsierendes und mitreißendes Klangerlebnis verwandelte. Das war eine Sternstunde des Kölner Chorgesangs, von der man gewiss noch lange reden wird. [erschienen in: Kölner Stadt-Anzeiger, 9./10. Juni 2007]
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Großes Konzert-Erlebnis: Bach-Verein präsentierte Schmidt-Oratorium
[Olaf Weiden] - Alle Jahre wieder sorgt der Bach-Verein Köln für kleine Sensationen. "Das Buch mit sieben Siegeln", ein Oratorium von Franz Schmidt, oder besser dessen Aufführung durch das Team um Dirigent Thomas Neuhoff entfachte echte Begeisterung in der sehr gut besetzten Philharmonie. Die Bravi nahmen kein Ende. Das lag auch an der klugen Dramaturgie des Werks. Das Oratorium von 1938 verzichtet auf beschauliche Arien der Solisten und setzt den Text immer gleich in Musik um - ist die Hoffnung verloren, schmachtet das Kontrafagott im Kller. Die Oboenfamilie hütete pastoral das Lamm, und die Kraft der Fuge wird durchsetzt mit der stoischen Ruhe des Chorals. Selbst im Finale greift Schmidt auf den gregorianischen Choral zurück, nach röhrenden Pauken und krachenden Tamtams eine Steigerung in die Ruhe hinein, allerdings mit einer XXL-Schola aus rund 60 Männerstimmen.
150 Choristen des Bach-Vereins und des Philharmonischen Chores der Stadt Bonn und ein satt besetztes Kölner Sinfonieorchester dirigierte Thomas Neuhoff bewundernswert und mit unstillbarem Feuer. Johannes Geffert brillierte an der Orgel, die immer noch nachlegen konnte, Gerhild Romberger gefiel mit stattlichem Alt im Solistenquartett und der Chor war sich selten so sicher wie in dieser komplexen Lektüre.
Die "Stimme des Herrn" Thomas Laske war ein betörender Bassbariton. Luca Martin sang den Evangelisten Johannes. Er spielte diese Rolle bereits szenisch; diese Kenntnis gab seinem gigantischen Solo das Fundament. Ein nachhaltiges Konzert-Erlebnis. [erschienen in: Kölnische Rundschau, 9. Juni 2007]
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Philharmonie - Bonner und Kölner Chöre singen Schmidt-Oratorium
Christoph Zimmermann - Von einer stark bejubelten, bedeutenden Aufführung ist zu berichten: Thomas Neuhoff führte im Rahmen der Kölner Chorkonzerte "Das Buch mit sieben Siegeln" von Franz Schmidt auf. Ausführende: der Philharmonische Chor Bonn, der Chor des Bach-Vereins Köln (beiden steht der Dirigent vor) und das Sinfonieorchester Köln. Während Bonn das Werk vor einem Jahrzehnt kennenlernen konnte, war das Konzert in der Kölner Philharmonie eine lokale Erstaufführung. 60 Jahre nach der Entstehung!
Franz Schmidt ist eine etwas fremde Persönlichkeit der Musikgeschichte, rezeptionell lange auf das populäre Zwischenspiel der Oper "Notre Dame" eingeengt. Vorwürfe gegenüber dem Komponisten, er habe sich dem Nationalsozialismus gegenüber willfährig gezeigt, gelten zwar als widerlegt, irrlichtern aber noch immer durch die Musikgeschichte.
Das Buch mit sieben Siegeln ist ein Bekenntniswerk von persönlichem Zuschnitt. Daseinspessimismus, vielleicht - zeitgeschichtliche Prophetie, eher nein. Der Komponist war fraglos kein Neuerer, eröffnete der tonalen Klangsprache aber durchaus eigenständige Perspektiven. So wirkt der Chor nach Öffnung des 6. Siegels modulatorisch überaus heikel. Die Chöre leisteten schon hier in punkto Intonation Außerordentliches, später noch einmal besonders in der extremen Tessitura des klangschön bewältigten "Hallelujah".
Das aus Gürzenich- und WDR-Musikern zusammengestellte Orchester spielte teilweise regelrecht elektrisierend. Die bildreiche Musik Schmidts hatte Thomas Neuhoff souverän im Griff, verlieh ihr dramatischen, apotheotischen Impetus. Die Johannes-Worte artikulierte Luca Martin gemäß den Intentionen des Komponisten ("ein junger Mann") mit schöner Leuchtkraft, Thomas Laskes Bariton prägte die Aufführung ebenso niveauvoll wie der Sopran Julia Borcherts. Auch Gerhild Romberger (Alt) und Andreas Wagner (Tenor) sowie Johannes Geffert an der Orgel leisteten Außerordentliches. [erschienen in: Bonner General-Anzeiger, 9./10. Juni 2007]
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... Sozusagen am entgegen gesetzten Ende der stilistischen Skala ist das mit Soli, großem Chor und Orchester aufwartende Oratorium "Das Buch mit sieben Siegeln" von Franz Schmidt (1874-1939) angesiedelt, das jetzt (erst) seine Kölner Premiere erlebte, vom Chor des Bach-Vereins und dem Philharmonischen Chor Bonn gemeinsam in der Philharmonie dargeboten: Eine echte Großtat, die vor allem dem unermüdlichen Einsatz des Dirigenten Thomas Neuhoff zu verdanken ist, der das in seiner Art wohl ziemlich einzigartige Werk vor Jahren bereits einmal in Bonn zu Gehör brachte, jetzt aber seine "Personalunion" als Leiter zweier großer Chöre nutzte, um diese für eine solch exzeptionelle Produktion zu vereinen. Schmidts Vertonung der entsprechenden Abschnitte der Apokalypse erscheint als - im übrigen durchaus gelungener - Versuch, mit den Mitteln konventioneller (das heißt: "tonaler") Musik eine solche Herausforderung zu meistern, und das Werk ist, wenn es so großartig vorgeführt wird wie hier, von tiefer Wirkung auf das Publikum, was man an der begeisterten Reaktion in der Philharmonie ablesen konnte. Dabei ließ die überaus präsente Akustik ja keinerlei pauschales Musizieren zu: Jede der harmonischen und rhythmischen Feinheiten musste präzise herauskommen, und wenn hin un wieder hierbei das "Meisterliche" der Faktur gar ein wenig der unmittelbaren Wirkung der Musik im Wege stehen mochte, so kann man die enorme Leistung nur bestaunen, die Neuhoff mit seiner Mannschaft, zu der auch das aus Mitgliedern der großen Klangkörper der Domstadt gebildeten Kölner Sinfonieorchester gehörte, erreicht hat. Zugleich wetzte diese Aufführung die Scharte aus, dass ausgerechnet eine "Domstadt" wie Köln so lange brauchte, bis Schmidts Werk hier einmal zur Auffühurung kam. [erschienen in: Köln-Bonner Musikkalender, Nr.220, September 2007]
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Schmidt "Buch mit sieben Siegeln" Presse-Echo aus Altenberg
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