PRESSE-ECHO AUS ALTENBERG
"Die Musik des Weltuntergangs"

[Dietlind Möller-Weiser] - Altenberg. "Das Buch mit den sieben Siegeln", ein monumentales Oratorium, das kaum einer kennt, war das Großereignis zur Eröffnung des dritten Altenberger Kultursommers, der, so der Prospekt, ja damit schon eine Tradition ist. Das 1938 geschriebene Werk des Österreichers Franz Schmidt gibt der Apokalypse des Johannes Musik. In dramatischem Aufbau werden gerade die plastischen Teile der Offenbarung mit Klängen versehen, die dem Weltuntergang Gehör verleihen.

Stilistisch ist das ein Zwitterwerk. Da klingt das "Schweigen" im Himmel noch am ehesten wie das Waldleben nach Art des Richard Wagner, doch die Schrecken der apokalyptischen Reiter verraten, dass es den Expressionismus eben doch gegeben hat - da wird die Musik auch mal brutal. Und die sensiblen Damen im Publikum, die bei jedem Becken-Geschepper zusammenzuckten, hatten einiges wegzustecken.

Das alles verlangt viel Masse. Der Philharmonische Chor der Stadt Bonn und der Chor des Bach-Vereins Köln (fabelhafte Einstudierung: Thomas Neuhoff) sowie die Neue Philharmonie Westfalen und der Organist Christian Schmitt brachten unter der Leitung von Johannes Wildner eine bedeutende Aufführung. Daran hatte aber auch die Solistengruppe einen großen Anteil, allen voran der hervorragende Johannes - die Hauptpartie des Werks (Luca Martin), der mit ebenso strahlendem wie leichtem Tenor von der Kanzel aus sang. Ein akustisch raffinierter Schachzug, denn dadurch ragt diese Hauptstimme prominent hervor.

Die Akustik nutzte auch die "Stimme des Herrn" aus: Bass Stephan Loges sang diese Partie vom Obergaden aus, musste zwischendurch immer wieder einige Treppen laufen, um dann wieder im auch insgesamt fast immer überzeugenden Solistenensemble (dazu Trine Wilsberg Lund, Sopran, Ilona Markarova, Alt, und Henner Leyhe, Tenor) zu singen. Besonders eindrucksvoll gerieten auch die schweren, leisen A-Cappella-Stellen des Chors, beidenen die frei schwebende Intonation - bei durchaus vorhandener spätromantischer Harmonik - in der Regel glasklar war. Johannes Wildner hielt mit klarer Zeichengebung die Menschenmassen im Zaum und konnte auf hohem technischen Niveau gestalten - die Grenze ist da, wo es eben Passagen von ziemlicher gleich bleibender Länge gibt. Heftiger Applaus aus dem nicht voll besetzten Dom dankte für eine Aufführung mit Seltenheitswert.
(Erschienen in: Kölner Stadt-Anzeiger, Regionalteil Rhein-Berg, 03.07.2007]




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