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Wie kann ich in einer Welt der Zerstörung Mutter sein? Wie soll ich ohne Geld mein Kind ernähren? Wie soll ich es trösten, wenn ich tot bin?
In der schönen Interpretation der Sopranistin Sabine Müller waren diese Worte aus Michael Tippetts 1944 geschriebenen Oratorium "A Child of our Time" zu hören. Der englische Komponist Tippett hatte sich gewünscht, dass sein Freund T.S. Elliot das Libretto zu seinem Oratorium schreibt. Aber weil er mit dem Thema selber schon so sehr vertraut war, riet Elliott Tippett, den Text selbst zu schreiben. "Ein Kind unserer Zeit" ist auch der Titel eines Romans von Ödon von Horvath. Tippetts gleichnamiges Oratorium erzählt hingegen die reale Geschichte von einem jungen Juden in der Nazizeit, der aus Verzweiflung einen deutschen Beamten in Paris ermordete.
Am Sonntagabend des 7. Juni konnte man in Köln Ausschnitte aus Tippetts Oratorium kombiniert mit Texten aus Dogan Akhanlis Werk "Die Richter des jüngsten Gerichts" hören. Mit seinem Buch über die Massaker an den Armeniern trägt er dazu bei, dass deren Leid nicht vergessen wird. Im Arkadas-Theater / Bühne der Kulturen in Ehrenfeld sangen Mitglieder des Bach-Verein Köln und des Philharmonischen Chores Bonn zusammen auf der Bühne. Thomas Neuhoff war der Dirigent und Moderator des Abends und als Solisten traten die Sopranistin Sabine Müller und der Bariton Michael Adair auf. Die Theaterschauspielerin Kerstin Baldauf las Texte aus dem Roman von Dogan Akhanli;. Höhepunkt der Veranstaltung war eine synchrone Rezitation: Baldauf las auf Deutsch, Dogan Akhanli auf Türkisch und Serope Erdogan gleichzeitig auf Armenisch die Schlusspassage des Romans "Die Richter des jüngsten Gerichts". [erschienen in: ABOS, Armenisch/türkische Zeitschrift]
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