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[Marianne Kierspel] - 300 Künstler sollen bei der 2. Kölner Musiknacht mitgespielt haben. Ob jemand sie gezählt hat, die Chorsänger, Ensembles, Jazzer, Meister historischer Instrumente, Laptops und Plattenspieler? Rund einhundert Kurzkonzerte in 26 Räumen standen zur Wahl. Wer rund um den Dom unterwegs war - allein dort lockten drei Säle plus zwei Kirchen - konnte durch die Fenster im Domforum immer wieder neue Spieler sehen. Zuerst ein Tango-Quartett mit Musikerinnen, die sonst in Kölns Barockorchestern historische Aufführungspraxis pflegen. Oder es spielten junge Leute, die das Land NRW beim Wettbewerb "Jugend musiziert" vertreten. So plädierten der junge Posaunist Niels Florian Saatkamp und seine Klavierpartnerin Kathrin Illian für neue Töne, überzeugend und selbstbewusst.
Im WDR, der drei Konzerte live übertrug, war der Sendesaal zuerst verblüffend leer, obwohl hier Meister historischer Instrumente das musikalische Europa im 18. und 19. Jahrhundert bereisten. Später stellte sich heraus, dass ein KVB-Zugstau viele Gäste vor Konzertbeginn im Tunnel festgehalten hatte. Jedenfalls mussten die paar Pünktlichen im WDR allen Ernstes dem Tonmeister einen Probebeifall abliefern. Nach dem Konzert war der Applaus entschieden lauter, hatten doch der Kölner Geiger Anton Steck und die niederländische Cembalistin Marieke Spaans mit virtuosem Spiel bezaubert und sogar eine weniger bekannte Violinsonate aus Mozarts "Opus 1" vorgestellt.
Verlass war auch auf die Fans des Bach-Vereins, der seinen 75. Geburtstag mit der Konzertreihe "Bach und ..." feiert. Der Chor zeigte sich unter Thomas Neuhoff in bester Form. So genoss das Publikum in der Antoniterkirche Brittens vitale "Missa brevis" op. 63 für Frauenstimmen im Wechsel mit der Orgel, gekonnt bedient von Mareile Schmidt. Fabelhaft umrahmte der gemischte Chor sie mit Werken von Bach. Der Jubel aus dessen Motette "Singet dem Herrn ein neues Lied" dürfte noch lange im Ohr bleiben.
Viele Künstler blieben ihren angestammten Räumen treu, vom Ehrenfelder Loft bis zum Kulturbunker Mülheim, von St. Maternus im Süden bis St. Kunibert im Norden. Vor allem aber sollten Fans für alte und für neue Musik, für Klassik und für Jazz sich begegnen. In fast allen Sälen wurden im Verlauf der Nacht mehrere Genres angeboten. [erschienen in: Kölner Stadt-Anzeiger, 16.10.2006]
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