PRESSE-ECHO
Zum Jubiläum eine respektable Leistung

[fan] - Zum Jubiläum eine respektable Leistung: Der Kölner Bach-Verein feierte sein 75-jähriges Bestehen mit Bachs h-Moll-Messe in der Philharmonie. Thomas Neuhoff hat aus der Ära Winfried Toll die Strategie des leichten, flüssigen Singens konsequent weitergeführt. So entstand nun eine Interpretation von hoher Transparenz, die aber auch durch gebührende Tiefe und hier und da durch Wucht zu überzeugen wusste. Kleinere Schwächen der Chorstimmen fielen, gemessen an der enormen Schwierigkeit des Werkes, kaum ins Gewicht.

Mit Cornelia Samuelis (Sopran) und Franziska Gottwald (Mezzo) waren zwei klanglich ausgewogene Solistinnen von hohem Rang am Werk. Tenor James Gilchrist hielt nicht ganz, was er zu Beginn im Duett mit Samuelis zu versprechen schien. Bassist Klaus Mertens indes drückte dem Ganzen kraftvoll und lyrisch (trotz einer kleinen Einsatz-Panne) sein bewährtes Güte-Siegel auf. Die Johann Christian Bach-Akademie spielte durchweg inspiriert und inspirierend. [erschienen in: Kölnische Rundschau, 08.05.2006]



Glänzende Form im Jubiläumsjahr

Thomas Neuhoff dirigierte in der Kölner Philharmonie Bachs h-Moll-Messe

[Markus Schwering] - Die Schwindel erregenden Höhen und Tiefen der Bach'schen h-Moll-Messe teilen sich auch schon bei einer schwächeren Aufführung mit. Eine solche war das Festkonzert des Kölner Bach-Vereins in der Philharmonie freilich mitnichten. Vor allem der Chor erwies dem Namenspatron nicht nur die gebührende Ehre - er präsentiert sich überhaupt im Jubiläumsjahr (der Verein wird heuer 75) in glänzender Verfassung. Das geht vor allem auf das Konto seines Leiters Thomas Neuhoff, der die Sängerschar deutlich verjüngt und das Niveau auf einen mindestens halbprofessionellen Standard gebracht hat. Wohlbemerkt: Es handelt sich ja nicht um einen Kammerchor, bei dem man blitzblanke Koloraturen und Spitzentöne als selbstverständlich voraussetzt. Es ist vielmehr eine auch bei den neuralgischen Tenören opulent besetzte Schar, die da geschmeidig auf Takt-, Tempo- und Ausdruckswechel reagiert, die mit gelassenem Jubel etwa die Satzschlüsse von "Gloria" und "Credo" absolviert, die aber auch - im "Qui tollis" und im "Et incarnatus est" - einem mystisch-schwebenden Grundklang zu erzeugen versteht.
Die sorgfältige Phrasierung der Fugenthemen zeugt von harter vorangegangener Arbeit, die sich indes in zweite Natur aufgelöst zu haben scheint. Dankbar darf man gleich zu Beginn sein, dass da ein "Kyrie" und kein "Yrie" zu hören ist. Auch der "Angst-Sprung" des ersten Soprans zum hohen A in der "Cum sancto spiritu"-Fuge kam akzeptabel - wobei die tiefe Stimmung geholfen haben mag.
Neuhoffs nüchternes Dirigat setzt nicht auf Weihrauch, sondern auf präzise Rhetorik und Affekte. Anders als etwa bei Gardiner kamen die schenllen Tempi gelöst und virtuos, aber nie unangenehm sportiv. Die Gesangssolisten Cornelia Samuelis, Franziska Gottwald, James Gilchrist und Klaus Mertens verzichteten auf Opernallüren und erfreuten mit ausdrucksvollen, wenn auch nicht sehr großen Stimmen. Im Duett gab es da je nach Zusammensetzung schon mal Balance-Probleme. Meistenteils erbaulich auch die Begleitung durch die Johann-Christian-Bach-Akademie (auf Originalinstrumenten) und ihre guten Solisten: Wenn der hundsgemeine Solohorn-Part der "Quoniam"-Arie fast fehlerfrei erklingt, dann muss der Spieler (Wilhelm Bruns) ein Könner par excellence sein. [erschienen in: Kölner Stadt-Anzeiger, 11.05.2006]




Porträt zum 75-jährigen Jubliäum