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„Noah und die Flut“ Kinderoper von Benjamin Britten Ein Schülerprojekt des Bach-Vereins Köln und des Philharmonischen Chores der Stadt Bonn im April und Juni 2006.
Erfahrungsbericht der Bonner Produktion (April 2006). Mit diesem Projekt wollten der Philharmonische Chor Bonn und der Bach-Verein Köln gezielt Kinder und Jugendliche ansprechen. Sie sollten nicht nur als Zuhörer, sondern als aktive Mitwirkende beteiligt werden, als Sänger und Instrumentalisten.
Die etwa 50-minütige Kirchenoper von Benjamin Britten (1922-1976) ist als pädagogisches Projekt für musikalische Arbeit mit Kindern konzipiert (Uraufführung 1958). Mit einfachen Mitteln wird hier die biblische Geschichte von der großen Flut für ein breites Publikum erzählt, wobei agierende Kinder im Mittelpunkt stehen.
Kreatives Musizieren mit Kindern war ein Schwerpunkt im Schaffen Brittens, der als der bedeutendste englische Komponist des 20. Jahrhunderts gilt.
In NOAH UND DIE FLUT bietet Britten jugendlichen MusikerInnen die Möglichkeit, ihre unterschiedlichen Entwicklungsstufen im instrumentalen Spiel und im Gesang zu einem Ganzen zusammenzufügen und dabei mit Profis zusammenzuarbeiten. Neben einem professionellen Kammerorchester beschäftigt Britten beispielsweise jugendliche Streicher, die unterschiedliche Schwierigkeiten zu meistern haben. Während die vorderen Pulte durchaus schon gefordert sind, müssen die hinteren nur auf leeren Saiten spielen – jeder trägt zum Gesamteffekt bei.
Blockflöten, Trompeten und ein höchst einfallsreich besetztes Schlagwerk, in dem etwa die Regentropfen durch -–mit Holzlöffeln angeschlagene – aufgehängte Tassen und Trinkbecher imitiert werden, ergänzen das Instrumentarium.
Die Rollen des Noah und seiner Frau hat Britten für erfahrene Opernsänger geschrieben; daneben gibt es zahlreiche Partien für singende Kinder; Noahs Familie wird von Kinderchor-Solisten dargestellt, die zahlreichen Tiere vom großen Kinderchor (mit Tier-Masken).
Der Bach-Verein Köln und der Philharmonische Chor Bonn hatten mit dem Projekt NOAH UND DIE FLUT SchülerInnen und Musiklehrerinn im Raum Köln/Bonn angesprochen und sie zum aktiven Mitwirken (oder auch nur zum Zuhören) animiert.
Ziel der Produktion war die musikalische Nachwuchsförderung, praktisches Heranführen an Chorgesang und Theaterspiel!
Die Aufführungsserie im Raum Bonn wurde durch monatelange Proben vorbereitet und Anfang April vor insgesamt mehr als 1800 Zuhörern – überwiegend Jugendliche - gespielt, von denen viele aufs Mitsingen vorbereitet waren; denn dies ist ein besonderer Clou bei Britten; Das Publikum wirkt mit! Die Ausschreibung, welche an zahlreiche MusiklehrerInnen der Region gegangen war, sah unterschiedliche Formen der Teilnahme am Schülerprojekt vor:
halb-aktiv durch Vorbereitung einfacher Lieder zum Mitsingen während der Aufführung. Vorherige Zusammenarbeit der MusiklehrerInnen mit Thomas Neuhoff war erforderlich; d. h. Neuhoff kam für etwa 1-2 Unterrichtsstunden an die Schule aktiv musikalisch durch Gestaltung der Tier-Rollen (einfache Gesangspartie, einstimmig). Hierfür waren intensivere, auch szenische Proben nötig, für die Neuhoff in die Schulen ging. Mitarbeit im Fach Kunsterziehung: Möglichkeit handwerklicher Mitarbeit am Bühnenbild / Kostüme / Masken. aktiv musikalisch für Instrumentalisten von Jugend-Musikschulen (unterschiedliche Schwierigkeitsgrade). Nach etwas zögerlichem Beginn kam es letztlich zu erfreulich vielen Anmeldungen. An den ersten Aufführungen in Bonn (Lukaskirche) und Wachtberg (Schulzentrum) waren mehr als dreihundert Kinder und Jugendliche im Alter von 4-18 Jahren beteiligt, sowohl aktiv als auch halb-aktiv.
Geprobt wurde wie für eine richtige Opernproduktion: Der Kinderchor der Evangelischen Lukaskirche Bonn war bereits seit Monaten von Thomas Neuhoff mit der Britten-Partitur vorbereitet worden, und aus seinen Reihen wurden auch die anspruchsvollen Solopartien besetzt: Noahs Söhne und Schwiegertöchter, schwierige, aber dankbare Rollen, die zunächst musikalisch erarbeitet wurden, seit Anfang des Jahres unter Anleitung der Theaterpädagogin Heike Heinen auch szenisch.
Frau Heinen war nicht nur von der Unbefangenheit der 11-13-jährigen Solisten begeistert. sondern auch davon, dass die Partien auswendig beherrscht wurden und von den Kindern von Probe zu Probe mehr Spielfreude entwickelt wurde. Dazu inspirierten sicherlich auch das selbst hergestellte Bühnenbild, eine veritable Arche sowie die handgenähten Kostüme.
Einen besonderen Reiz stellen in Brittens Partitur die Tiere dar, welche paarweise in die Arche ziehen. Diese Gruppe wurde bei der ersten Aufführung von 45 Kindergartenkindern und Grundschülern aus Bonn-Nord dargestellt. Später übernahmen mehr als 70 Hauptschüler aus Wachtberg (11-14 Jahre) mit sicht- und hörbarer Freude diese Rollen. Vorbereitet von ihrer Musiklehrerin Ilse Hirschner, einer ausgebildeten Opernsängerin, die auch die witzige Partie der Frau Noah übernahm, entwickelten sie gleich in der ersten Probe eine Konzentration und Begeisterung, welche gängige Vorurteile über Hauptschüler Lügen strafte. Mit Hingabe setzten sie sich die Tier-Masken auf, die im Kunstunterricht an zwei Bonner Schulen mit viel Liebe zum Detail hergestellt worden waren.
Auch die Instrumentalisten hatten sich gründlich vorbereitet. Die Streicher und Trompeten des Wachtberger Jugendorchesters brachten eine tolle Dramatik in die Sturm-Szene. Besonders originell schreibt Britten für die Blockflöten: Die Taube mit Ölzweig ließ eine junge Flötistin aus dem Ensemble der Musikschule der Stadt Bonn mit Flatterzungen-Technik. lebensecht gurren. Bejubelt wurden auch die jungen Schlagzeuger, welche den Regen hörbar machten und mit einer echten Windmaschine das jugendliche Publikum fesselten.
Die gesamte Produktion wurde von einer Euphorie getragen, die auch die beteiligten Profi-Musiker beflügelte. Die (nur im Hintergrund beschäftigten) Mitglieder des Philharmonischen Chores Bonn hatten ebenfalls viel Spaß und schwärmten von diesem erfolgreichen Projekt, das Musiker aller Generationen und unterschiedlichster Niveaustufen zusammenführte und voller Ohrwürmer ist, die noch tagelang nachwirken.
Für die Kölner Aufführungen in Juni 2006 bereiten sich derzeit zahlreiche neue Kinder-Gruppen vor, und wegen der großen Nachfrage ist eine Fortführung des Projektes für die kommende Saison geplant.
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