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KONZERTE GEGEN DAS VERGESSEN - VERFEMTE MUSIK (zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus)
Felix Mendelssohn Bartholdy: "Hör mein Bitten" für Sopran, Chor und Orgel Eduard Birnbaum: "Hinematov" (Psalm 133) für Männerchor a cappella Anton Webern: "Entflieht auf leichten Kähnen" für gem. Chor a cappella op. 2 Günter Raphael: "Die Güte des Herrn" aus den Klageliedern Jeremiae op. 56, Nr. 2 Viktor Ullmann: "3 jiddische Lieder" für Frauenchor a cappella Gideon Klein: "Hebräisches Wiegenlied" für Sopran und Klavier Walter Braunfels: "Die Gott minnende Seele", Liederzyklus nach Gedichten der Mechthild von Magdeburg für Sopran und Klavier
In Zusammenarbeit mit der Melanchthon-Akademie Köln und dem Evangelischen Forum Bonn
Montag, 27. Januar 2003 um 20 Uhr Lukaskirche Bonn Freitag, 31. Januar 2003 um 19.30 Uhr Antoniterkirche Köln
Ausführende: Ingrid Schmithüsen, Sopran Johannes Quack, Orgel Thomas Neuhoff, Klavier Projektchor "Verfemte Musik" (Mitglieder des Bach-Vereins Köln, des Philharmonischen Chors der Stadt Bonn und der Auerberger Kantorei Bonn) Leitung: Thomas Neuhoff
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Mit der nationalsozialistischen "Machtergreifung" (30.01.1933) begann im deutschen Musikleben eine Phase beispielloser Zensur und Musikdiktatur. Neben scheinbar musikalisch begründeter Kritik an Exponenten der zeitgenössischen Musik wie Paul Hindemith und heftiger Agitation gegen den sich immer mehr ausbreitenden Jazz trat auch sehr schnell offener Antisemitismus zu Tage. Die "Deutsche Zeitung" schrieb am 17.03.1934 in einem Artikel über Paul Hindemith: "In dieser von Juden beherrschten internationalen Vereinigung haben sich bekanntlich musikalischer Bolschewismus, Dilettantismus und Atonalismus einen Resonanzboden für ihre Erzeugnisse geschaffen."
Der "Völkische Beobachter", das Organ der Nationalsozialisten, bezeichnete Hindemith als "Bannerträger des Verfalls", und Goebbels Worte vor der Reichskulturkammer waren eindeutig: "Wenn sich die musikalische Jugend in Deutschland zu den atonalen Musikern bekennt, so ist das nur ein Beweis dafür, wie notwendig es ist, rücksichtslos dagegen anzugehen ... Wir verwahren uns auf das energischste dagegen, diesen Künstlertypus als deutsch angesprochen zu sehen und buchen die Tatsache seines blutsmäßig rein germanischen Ursprungs nur als praktischen Beweis dafür, wie tief sich die jüdisch-intellektualistische Infizierung bereits in unserem eigenen Volkskörper festgefressen hatte ..."
Den Beginn des systematischen Antisemitismus im Musikleben markiert das "Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" vom 07.04.1934: "Beamte, die nicht arischer Abstammung sind, sind in den Ruhestand zu versetzen." Aufgrund dieser Bestimmung wurden auch zahlreiche bedeutende Musiker aus dem Staatsdienst entlassen, wie z.B. Otto Klemperer, Arnold Schönberg und auch Walter Braunfels, damals Direktor der Kölner Musikhochschule. Viele Künstler, die bis dahin das deutsche Musikleben geprägt hatten, mussten emigrieren oder sich total zurückziehen. 1934 erklärte die "Reichsleitung der NS-Kulturgemeinde" ganz offen: "Der Nationalsozialismus setzt vor die Bewertung des Werkes die Wertung der schaffenden Persönlichkeit." Auf diese Weise wurden selbst die beliebten Kompositionen von Felix Mendelssohn nach und nach von den Spielplänen verbannt. Wer den Boykott nicht mitmachte, musste mit rigorosen Konsequenzen rechnen – so wurde der Direktor der Weimarer Musikhochschule unter anderem deswegen entlassen, weil er Mendelssohn hatte spielen lassen (1939).
Die Zeitschrift "Die Musik" schrieb im November 1934 : "Denn die Musik Mendelssohns ist im Dritten Reich mit den unumstößlich und kompromisslos gültigen Gesetzen vom Primat der Rasse und des Blutes nicht mehr zu verantworten. Diese Musik ist genialisch, aber unbeschadet ihrer musikalischen Werte ist sie für eine völkische Kulturbewegung untragbar." Ein "Lexikon der Juden in der Musik" wurde erstellt, um Zensurmaßnahmen zu erleichtern, außerdem durften jüdische Musiker und Musiklehrer seit Mitte der dreißiger Jahre keinen privaten Unterricht mehr erteilen. Der NS-Lehrerbund wies 1938 darauf hin, dass von Juden getextete oder komponierte Volkslieder in den Schulen nicht mehr gesungen werden durften (darunter Heinrich Heines "Loreley").
1938 wurde im Rahmen der "Reichsmusiktage" in Düsseldorf die Ausstellung "Entartete Musik" eröffnet, welche die Perversion der nationalsozialistischen Musikzensur dokumentierte (nachdem bereits 1933 die "Zeitschrift für Musik" einen "Scheiterhaufen auch für Musik" gefordert hatte, auf dem z.B. Werke des "vorwiegend vorderasiatisch bestimmten Gustav Mahler" oder die "atonal-abscheuliche" Musik von Alban Berg vernichtet werden sollte (analog zur "Bücherverbrennung").
Die "Hamburger Zeitung" vom 25.05.1938 beschrieb die Ausstellung "Entartete Musik" so: "Zwei Plakatsäulen inmitten des Saales rechnen noch einmal mit der Verniggerung und Verjazzung einer vergangenen Musikepoche ab ... Dem Jüdischen Theater von einst im Jazz-Rhythmus gelten die Bilder und Plakate der Eröffnungsfront, und wir finden hier eine ganze jüdische Namensgesellschaft ... Hier finden wir die Schönbergsche Tonlehre ebenso angeprangert wie Hindemiths erst 1937 aufgelegte Lehre vom Tonsatz ... 'Wer vom Juden isst, stirbt daran! Dieser Satz gilt im weiteren Zuge der Ausstellung Paul Hindemith, von dem gesagt wird, dass ihn dieses Schicksal als Künstler erreicht habe." (Einführungstext von Thomas Neuhoff)
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