|
Collum mit Bachs "Weihnachts-Oratorium"
[W.G.] - Über die Aufführung des Bachschen "Weihnachts-Oratoriums" (Teile 4 bis 6) durch den Kölner Bach-Verein im Gürzenich wölbte sich ein geradezu stählernes D-Dur, da Dirigent Christian Collum die erste Oratoriumshälfte durch die D-Dur-Orchestersuite vertreten ließ, dabei auch noch die letzten Schlieren wegpolierte, die bei Bach auf dem Lichterglanz liegen (könnten). Zum Beispiel drehte er das sinnende "Largo e staccato" der Sopran-Arie Nr. 57 ganz ins Eilig-Beiläufige um. Mit den überschärften Doppelpunktierungen in der Suitenouvertüre schlug Collum jedoch Eisenhaken in den Kuppelbau ein. Ansonsten gin die Darbietung der beiden Werke vertraute Wege. Für Jubel und Trubel ist ja hinreichend gesorgt, jovialer Frohsinn machte sich in der Gavotte I breit, und manchmal ließ Collum das Orchester fein den Mittelstimmen nachspinnen ("Air").
Die stimmlichen Qualitäten des Chores erscheinen neuerdings aufgebessert. Collum hat offenbar hart an der Substanz gearbeitet, die Tenöre klangen stabiler, die Soprane freier. Den Choristen wurde in den Chorälen eherne Deutlichkeit abverlangt, in den Koloraturen Geschmeidigkeit. Einige unsinnige Akzentuierungen ("dämpft der Feinde Wut und Toben", Nr. 36) lagen außerhalb ihrer Verantwortung. Die vokalen Möglichkeiten des Bassisten Ulrich Schütte sind bereits an dieser Stelle erörtert worden - nach wie vor verfügt er über ein hinreißendes Timbre. Auch Herlind Wartenburg reift zu einer Altistin von höchstem Format. Der unglückliche Tenor Hitoshi Hatano mußte eine ganz verwackelte Arie Nr. 41 erleiden, und der Ausdrucksreichtum der Isabell Lippitz hielt sich an diesem Abend etwas in Grenzen. [erschienen in: Kölner Stadt-Anzeiger, 22./23. Dezember 1984]
|
|