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Weihnachtskonzert des Bach-Vereins
[Hans-Elmar Bach] – Der Chor des Kölner Bach-Vereins und das Collegium aureum spielen sich von Aufführung zu Aufführung besser aufeinander ein. Das bestätigte nun auch der erste der beiden Konzertabende, an denen im Gürzenich das "Magnificat" und die ersten drei Kantaten des "Weihnachtsoratoriums" von Bach erklangen. Unter Wolfgang Gönnenwein sang der Chor das "Magnificat" zum ersten Mal. Auffallend waren gegenüber den früheren Dirigenten die neuen Tempi. Der Eingangschor geriet durch die wahrhaft rasante Geschwindigkeit dabei ein wenig aus dem Gleichgewicht, während die Alt-Arie „Esurientes“ schleppend und das Terzett "Suscepit" (das besser chorisch besetzt worden wäre) beinahe weinerlich klang. Im übrigen machte Gönnenwein mit Nachdruck auf die Wortauslegungn Bachs aufmerksam. Glanzstücke: der Abgesang der Arie „Quia respexit“ mit dem prachtvollen Chor "omnes generationes" sowie die Schlußchöre.
Abgerundeter als das "Magnificat" gelang das Weihnachtsoratorium. Der Chor hatte selbst in den klanggewaltigen Sätzen eine große Transparenz und eine kammerchorartige Kultur. Die Choräle behandelte Gönnenwein sehr ausführlich, bisweilen mit einer Spur zuviel Ausdruck. Das Orchester paßte sich mit großer Behutsamkeit dem durchsichtigen Chorstil an. In der Begleitung der Arien entfaltete sich der erlesene Klang der Instrumentalisten ganz besonders schön. Herausragende Leistungen boten Mitglieder des Ensembles im Solopartien, so Günter Höller (Flöte), Helmut Hucke (Oboe) und Franzjosef Maier (Violine). Sie waren gleichwertige Partner der Vokalsolisten. Mit Innigkeit und großer Tonschönheit gestaltete Herrad Wehrung die Sopranpartien. Jean Evans (Alt) hatte ihre stärksten Ausdrucksmomente in den Arien des Weihnachtsoratoriums, Peter Wetzler profilierte sich mit den Tenorpartien als ein begabter Nachwuchssänger, während Jakob Stämpfli mit der Überlegenheit des erfahrenen Oratoriengestalters den Baßarien Glanz und Tiefe verlieh. [erschienen in: Kölnische Rundschau, 10.12.1970]
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Der Bach-Verein mit dem Magnificat und dem Weihnachtsoratorium
[W.B.] - Selbst nach dieser erfolgreichen Aufführung des "Magnificat" und der drei ersten Kantaten aus dem "Weihnachtsoratorium", selbst nach dem zweiten Chorkonzert des Bach-Vereins im Gürzenich fällt es schwer, preisende Worte für Bach zu finden. Denn was ließe sich sagen, das nicht anderswo schon viel besser gesagt wäre? Man müßte es wiederholen, müßte auf Bachs innige Frömmigkeit hinweisen, auf die geistige Durchdringung des Handwerklichen, auf die fast instrumentale, klangsymbolische Behandlung der Chöre und käme wohl erneut zu dem Schluß, daß nahezu jede Stimme in dieser reichen Textur so geführt ist, daß sie notfalls als selbständiges Kunstwerk bestehen könnte.
Verlegenheit kommt allerdings bei den Gelehrten auf, wenn es zu erklären gilt, daß den geistlichen Texten oftmals Musik unterlegt ist, die Bach zunächst für weltliche Anlässe komponiert hatte. Dabei wird allzuleicht übersehen, daß Geistliches und Weltliches zur damaligen Zeit allein durch die Allianz von Thron und Altar in einem weitaus intimeren Wechselbezug standen als heute. Bach war bei aller Religiosität aufgeklärt genug, das Ineinander von feudalen Machtstrukturen und Glaubenswahrheiten zu durchschauen. Dies einsichtig gemacht zu haben, ist ein wesentliches Verdienst dieser Aufführung: Wenn es in der Tenorarie des "Magnificat" heißt, der Herr habe die Herrscher vom Thron gestürzt und die Niedrigen erhoben, dann wird dies durch die verschnörkelte Demutsgeste der Musik ironisch angezweifelt. Der Chorjubel des "Jauchzet, frohlocket" zu Beginn des Weihnachtsoratoriums bekommt etwas Martialisch-Zorniges dadurch, daß er von einer grimmigen Fortissimo-Pauke imitiert wird. Das Duett "Herr, dein Mitleid" scheint musikalisch bereits etwas von der scheinheiligen Chuzpe des Huldigungschores aus dem ersten Akt von Mozarts „Figaro“ vorwegzunehmen.
Das Solistenquartett des Abends war zufriedenstellend: Herrod Wehrung (Sopran) beeindruckte durch ihre weich angesetzte, klare Höhe; ausdrucksvoll, wennn auch in der Tiefe etwas matt war der Alt von Jean Evans. Überragend der vielversprechende Tenor Peter Wetzler. Jakob Stämpflin (Baß) sang machtvoll und doch beweglich, die Höhe wirkte leider gelegentliche etwas angestrengt. Geschlossen und klangschön ist die Leistung des Bach-Verein-Chores zu nennen. Die großartigen Musiker des Collegium aureum hätten es allesamt verdient, wie im Programm auch hier namentlich aufgeführt zu werden. Besonders die zahlreichen Soloparts wären zu würdigen. Bleibt noch zu sagen, daß der Dirigent Wolfgang Gönnenwein das Zeug hat, ein großer Bachinterpret zu werden. Allerdings: Müssen die Schlußritardandi wirklich so quälend forciert werden? [erschienen in: Kölner Stadt-Anzeiger, 11.12.1970]
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[Norbert Stich] – Der Kölner Bach-Verein brachte im großen Saal des Gürzenich wie in jedem Jahr Teile aus Bachs Weihnachtsoratorium zur Aufführung. Diesmal hatte man sich auf die ersten drei Kantaten beschränkt, die Arien wurden – beklagenswerterweise – sämtlich um ihre Da Capos gekürzt, so entstand Raum für eine Wiedergabe des Magnificat, insgesamt recht umfänglich was aber für diejenigen, welche Besinnung suchen, sicher kein Nachteil war. Die Leitung hatte Wolfgang Gönnenwein, dessen mobile, dabei klare Gestik zum enen ein Höchstmaß an präzisem Zusammengehen von Chor und Instrumentarium (Collegium aureum) bewirkte, zum anderen das musikalische Geschehen in lebendiger Frische ablaufen ließ. Besonders schön schienen die Lyrismen einiger Choralsätze gelungen, hier legte der Dirigent den Taktstock, der sich im übrigen sehr gut bewährt, aus der Hand, und formte nunmehr den Chorgesang mit, wie wir meinen, suggestiver Ausstrahlungskraft, sicher mit einem bemerkenswerten Gespür für feine Abstufungen. Auch die exaltiert prachtvollen großen Chorsätze klangen nie unkontrolliert, faszinierend eben durch die gesteuerte Entfaltung der Dynamik.
Eine beachtenswerte Entdeckung stellt der Tenor Peter Wetzler dar, dessen jugendlich-elegantes Timbre dem Evangeliumstext viel Farbe verlieh, ohne daß der sachlich berichtende Charakter dabei verloren gegangen wäre. Mit außerordentlicher Flexibilität bewältigte er die schwierige Ornamentik der Arie „Frohe Hirten“, dabei behielt die Stimme stets klangliche Substanz. Mit unverminderter Frische und Energie sang Jakob Stämpfli (nunmehr seit über einem Jahrzehnt) die Baßpartie, wobei die Fähigkeit zur Gestaltung immer noch zuzunehmen scheint. Demgegenüber wirkten die Frauenstimmen weniger profiliert. Die Altistin ist aber durchaus interessant aufgrund einer gewissen Leichtigkeit, die vielen Sängerinnen ihres Faches abgeht. Sie mag bei dieser Gelegenheit nicht ganz disponiert gewesen sein.
Der Saal war fast ganz besetzt, obwohl eine Aufführung außerhalb des Abonnements vorausgegangen war – ein Zeichen für die unverminderte Popularität der Musik und das Niveau der Ausführung. [erschienen in: NRZ, 16.12.1970]
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Konzert vom 22.11.1970 Konzert vom 17.03.1971
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