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Selten aufgeführtes Haydn-Oratorium im Bach-Verein
[E.] - Joseph Haydn war 42 Jahre alt, als er sein erstes Oratorium „Il ritorno di Tobia“ (Tobias Heimkehr) komponierte. Er schrieb das Werk für die Wiener „Tonkünstler-Sozietät“, einen wohltätigen Verein, der sich der Witwen und Waisen von Musikern angenommen hatte. Mit den Einnahmen von zwei Aufführungen konnte der Komponist eine erhebliche Summe an den Unterstützungsverein abführen. Schwerer aber wog der künstlerisch moralische Erfolg. Zum erstenmal wurde er bei dieser Gelegenheit mit Bach, Händel und Gluck genannt, und ein zeitgenössischer Bericht bezeichnete ihn mit dem Wort, das damals für die schöpferische Leistung am höchsten im Kurz stand, als ein „Originalgenie“. Weit über 100 Jahre ist das Werk vergessen gewesen, und selten genug wird es seit dem Neudruck von 1909 heute aufgeführt. Ein Zufall, daß das Oratorium Haydns vor wenigen Tagen auch in Wien erklungen ist (unter der Leitung des von Oskar Fritz Schuh an die Kölner Oper verpflichteten Grazer Kapellmeisters Caridis). Haydns Ruhm als Oratorienkomponist wird freilich für immer mit der „Schöpfung“ und den „Jahreszeiten“ verknüpft sein. Aber als typischen Vorläufer des reifen Opernstils wird man eine Aufführung des selten zu hörenden Werkes immer willkommen heißen.
Es bleibt das Verdienst des Kölner Bach-Vereins, das Oratorium in Köln bekanntgemacht zu haben. Ursprünglich hatte das Werk nur drei Chöre, einen am Anfang und je einen an den Enden der beiden Teile. Für eine Wiener Aufführung hat Haydn noch ausgedehnte Chorstücke hinzukomponiert. Im Stil der herrschenden Zeitrichtung war der Text (von Giovanni Gustone Boccherini) ursprünglich italienisch. Und das Italienische prägt sich auch im musikalischen Neapolitanertum des Oratoriums auf. Dazu gehören vor allem die reichen Koloraturen der Solostücke, die freilich schon keine Da-capo-Arien mehr sind. Und vollends im Melodischen verlät Haydn das italienische Schema. Im klassischen Wohllaut beginnt sich schon die Süße und Innigkeit Mozartscher Erfindung auszuprägen. Ganz Haydns Eigentum sind die großen Schlußfugen der beiden Teile.
Der besondere Wert des Werkes liegt in der Durchdringung des Dramatischen und Idyllischen. Die im Rezitativ gestaltete Handlung mutet ein wenig umständiglich an, läuft aber ganz real ab, ohne sich bei den allegorischen Zutaten des italienischen Oratoriums aufzuhalten. Die Erzählung berichtet von der wunderbaren Heilung des Tobit durch seinen aus der Fremde heimkehrenden Sohn Tobias, dem der Erzengel Raphael beim Kampf mit einem Untier beisteht.
Die Aufführung unter Hermann Schroeders hingebender Leitung stellte dem disziplinierten Chor des Bach-Vereins dankbare Aufgaben. Sie wurden ebenso sicher gelöst wie die instrumentalen durch das Kölner Bach-Orchester. Unter den Gesangssolisten ragten die Sopranistin Ilse Hollweg als Erzengel Raphael und Ursula Boese als Mutter des Tobias hervor. Dem Tobias selbst gab der Tenor Hans Dieter Hölge charakteristischen Umriß. Horst Günter sang die Partie des erblindeten Vaters, Ingeborg Reichelt die von Tobias Frau. Im besetzten Gürzenich fand die wohlgelungene Aufführung eine dankbare Hörerschaft. [erschienen in: Kölnische Rundschau, 18.11.58]
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Bachverein sang Oratorium „Tobias’ Heimkehr“
[GA] – Im nächsten Jahr werden hundertfünfzig Jahre vergangen sein, seit Joseph Haydn starb. Dieses Anlasses bedarf es kaum, um uns den ältesten, ewig jungen der drei Wiener Klassiker nahezubringen. Haydns Stern geht, wenn nicht alles täuscht, schon jetzt wieder strahlender an unserem Firmament auf. Das Gedenkjahr und die Werkausgabe des Kölner Haydn-Instituts mögen das nachdrücklich bekräftigen. Bei Haydn gibt es tatsächlich noch Entdeckungen, und vor allem Wiederentdeckungen zu machen. Sein erstes Oratorium, „Il Ritorno di Tobia“, 25 Jahre vor der „Schöpfung“ entstanden und vor einem halben Jahrhundert ohne viel Erfolg neuentdeckt verdient eine solche Erweckung unbedingt.
Der Bachverein führte den „Tobias“ in seinem ersten Chorkonzert auf – nicht nur der Chor, auch das Orchester zeigten sich nach der Sommerpause in bester Form, besser als seit langem gehört. Dirigent Hermann Schroeder stand der Schäfer-Poesie dieser geistlichen Rokoko-Oper reservierter gegenüber als dem Barock, das ihm wesensgemäßer ist. Er war dennoch dieser fast schwerelosen Serenität ein kraftvoller und sehr feinfühliger Interpret. Ilse Hollweg stand als spiritueller Erzengel sehr stilecht dem Quartett der alttestamentarischen Familie des Tobias vor, das mit Hans Dieter Höltge, Ingeborg Reichelt, Horst Günter und Ursula Boese vier jugendliche Kräfte aufs Podium stellte, deren Frische, Begabung und Musizierfreude gerade diesem werk besonders zustatten kamen. [erschienen in: NRZ, 18.11.58]
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Erstlings-Oratorium im Bach-Verein
[ky] - Die Wiedererweckung von Haydns Erstlingsoratoriums „Il ritorno die Tobia“ durch Chor und Orchester des Bach-Vereins war die vielleicht hochwertigste Konzertaufführung, die wir unter Hermann Schroeder im Gürzenich bislang erlebt haben. Haydn hat nach der Uraufführung von 1776 noch über 30 Jahre an seinem Oratorium gearbeitet, hat Chöre dazugeschrieben, die Instrumentation einschneidend verändert. Sein Schüler Sigismund Neukomm strich das Werk ganz erheblich zusammen. Seine Bearbeitung gab die Unterlage für den Druck. Schroeder brachte die Neukommsche Fassung, allerdings – wie uns schien – mit weiteren Kürzungen bei Wiederholungen. Trotz allem wirken die Arien noch streckenweise uniform und wenig charakteristisch. Ohnehin ist die deutsche Übersetzung des originalen italienischen Textes alles andere als poetisch verklärend. Plastischer wirken bereit die Rezitative. Der überzeitliche Wert des Oratoriums aber liegt in den glanzvollen und mächtigen Chören, die Haydn – der sich der Schwäche des Werkes selbst bewußt war – später noch ergänzte. Sie prägen bereits den späteren Oratorienstil Haydns voll aus.
Unter diesen Umständen liegt die künstlerische Wirkung der Aufführung beim Können der Aufführung; und von dort her war allerdings alles getan, um dem Werk zu geben, was ihm überhaupt gegeben werden konnte. Der ausnehmend individualisierte Klangcharakter einer jeden Stimme führte zu einer erstaunlich konsequenten Typisierung der Solopartien: Horst Günter (Baß) als alternder, verquälter Tobias; Ursula Boese (Alt) im Widerspiel zwischen Angst und Sorge der Frau und Mutter Anna; Hans Dieter Höltge (Tenor) im Überschwang jugendlicher Kraft die Hoffnung des Tobias und Ingeborg Reichelt (Sopran) als fromme, gläubige Sara; endlich Ilse Hollweg in der Partie des ruhigen, abgeklärten Erzengels Raphael.
Chor und Orchester des Bach-Vereins waren in großer Form, begeisternd und mitreißend. Am Cembalo sehr wach und aufmerksam: Annemarie Bohne. [erschienen in: Kölner Stadt-Anzeiger, 18.11.58]
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Konzert vom 13.06.1958 Konzerte vom 11./12.12.1958
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