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Werke Mozarts im Bach-Verein
[Dr. H. Kirchmeyer] - Ehrgeizlosigkeit und Mäßigung waren die beiden Eigenschaften, denen der Kölner Bach-Verein unter der Leitung von Professor Hermann Schroeder einen seiner schönsten Erfolge verdankte, als er im Gürzenich Mozartsche Chorwerke aufführte. Die Lauretanische Litanei des 15jährigen Mozart, ein bei der Jugend des Komponisten fast unbegreifliches Werk (KV 109), hatte ihre Schwergewicht in den beiden Sopranistinnen Tilla Briem und Ilse Hollweg, deren Wahl als außerordentlich glücklich bezeichnet werden muß.Tilla Briems großer, voller, aber dafür in den Koloraturen etwas schwerer, und Ilse Hollwegs etwas kleinerer, aber leichter und bis ins letzte ausgefeilter Sopran ergaben eine Klangzusammenstellung, deren Harmonie man nur selten begegnen dürfte. Dabei suchte keine die andere zu überspielen, so daß Mozarts Werk, von einem gemäßigt gedämpften wirklichen Begleitorchester getragen, vollendet verwirklicht wurde. Die männlichen Solisten, der Tenor John van Kesteren und der Bassist Eugen Klein, die schon partiemäßig zu kurz kommen, mußten bei allem Können dagegen etwas abfallen. Die Künstlerschaft der Hollweg bestätigte sich in der berühmten „Exultate“-Motette (KV 165) aufs neue. Nicht die hingeworfenen Koloraturen, deren Fluß den Hörer seit jeher fassungslos macht, sondern die Bescheidenheit, mit der sie ihre Virtuosität hinter die Idee des Werkes zurückstellte, gewannen ihr die Sympathie der Mozartkenner. Am Ende stand Mozarts unvollendete c-Moll-Messe, die Schroeder dankenswerterweise in der originalen Fassung aufführte. Dieses ungleiche Werk mit seinem frühromantischen Gehalt wertet Mozarts neue Bekanntschaft mit Bach in einzigartiger Weise aus. Tilla Briem führte ihren Part bis an die äußerste Grenze dessen, was Mozarts an Pathos und Glut vertragen kann. Wie üblich bei den Choraufführungen des Bach-Vereins erntete Schroeder die Frucht seiner Idee, den Verein durch jüngere Kräfte aus Studentenkreisen der Musikhochschule aufzufrischen. Der Chor ist grundmusikalisch – keine Selbstverständlichkeit bei Sängern. Im ganzen ein großer Erfolg für alle Beteiligten. [erschienen in: Kölner Stadtanzeiger, 26.03.1957]
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