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Schlußkonzert des Kölner Bach-Vereins
[Dr. H. Kirchmeyer] - Es gibt merkwürdige Begebenheiten in der Musikgeschichte, die sich zu überzeugenden Kunstwerken verdichtet haben. Ein verkrüppelter englischer Prinz, der sein Leben schon alös Elfjähriger aushaucht, trieb in seiner unbesiegbaren Neigung für Militär und unverwandte Handwerke einen tragenden künstlerischen Stil empor: Der Hofkapellmeister seiner Majestät, Henry Purcell, der seine Ode zur Feier des Cäcilientags, dem unverlierbaren Zeugnis englischer Musikliebe, mit dem gepanzerten Blech eines militärisch strahlenden Trompetenklangs überdeckt hatte, schien berufen, alle Wünsche zu erfüllen. Prof. Hermann Schroeder tat im letzten Konzert des Bach-Vereins recht daran, diese Musik auf weite Strecken hin als eine bessere Art von Trompetenkonzert zu behandeln und die Partie einem gestochen blasenden Trompeter mit Glück anzuvertrauen. Außerhalb der Solisten dann noch ein jugendliche-elastischer und vor allem hochmusikalischer, wenn auch fast schon ein wenig zu sehr dem modernen Stakkatoideal folgender Chor – und der Auftakt des abschließenden Bach-Vereins-Konzertes im großen Saal des Gürzenichs sicherten den Erfolg für den ganzen Abend. Es wäre unangebracht, Purcells Cäcilienmusik mit derjenigen Händels, dem „Preis der Tonkunst“, zu vergleichen. Sicherlich ist Purcell der größte englische Komponist und seine Musik denkwürdig genug, weil sie die Cäcilienfeiern weihte:aber Händel schrieb 50 Jahre später und legte in seine Musik die Erfahrung des geübten Opernkomponisten. Ingeborg Reichelts großartiger Sopran brachte die klare virtuos ornamentierte Partie flüssig und biegsam, auch strahlend und glanzvoll, ohne alle von Händel gebotenen Möglichkeiten stimmlicher Pracht auszuschöpfen. Lullys riesiges Tedeum krönte im Wechselspiel von Solisten und Doppelchor als hinreißender Abgesang den Abend. Ursula Boses prachtvoll dunkler Alt fließt wie schwerer, roter Wein, Hans Joachim Rotzsch (Tenor) und Erich Wenk (Baß) blieben ihren Partien nichts schuldig. Im Orchester ein Oboist von seltener Innigkeit. Ausgespielter und ausgesungener Klang von Orchester und Chor fanden sich in einem Ton, der zwischen Herbheit und Strenge barocker Jenseitigkeit und der Feierlichkeit großer venezianischer Doppelchortechnik vermittelte. [erschienen in: Kölner Stadtanzeiger, 30.05.1957]
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