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[Dr. Herbert Eimert] - Mit einem Kantatenabend in der Kartäuserkirche begab sich der Kölner Bach-Verein wieder in seinen traditionellen Arbeitskreis. Die Weihe der Passionsandacht lag über dem Abend, den Buxtehudes vierstimmige Kantate "Nimm von uns, Herr, Du treuer Gott" eröffnete. Als Hauptwerk wurde Heinrich Schütz' Passionswerk "Die sieben Worte Jesu Christ am Kreuz" zu tiefen Erlebnis. Es ist ein Ausschnitt aus dem Passionsgeschehen, der die ältern polyphonen Elemente mit der damals neuen Errungenschaft des italienischen Rezitativstils vereinigt, also über die unbegleiteten Deklamationen der Schützschen Matthäuspassion hinaus in die neuere Zeit hineinweist. Die Verteilung der Evangelistenrolle auf verschiedene Stimmen rührt dagegen noch aus der ältern Passion her. Der Meister einer fast predigenden Ausdrucksgewalt in der musikalischen Wortausdeutung zeigt sich vor allem in den Christusworten, aber auch in den berichtenden Teilen. Zur Höhe Schützscher Deutkunst erheben sich der düstere Introitus und die feierliche Conclusio, beide für Chor, sowie die beiden sinfonischen Sätze, die ebenfalls dem Passionsausdruck dienen.
Die Wiedergabe des Werks (wie auch der Kantate von Buxtehude) zeigte für die higebende Arbeit des Chors, unter der eindringenden Leitung von Professor Michael Schneider, der die höchste Sorgfalt in der Verteilung der klanglichen Gewichte walten ließ und dabei die Chorführung doch auf eine klare, zeichnerische Linie hin anlegte. Der Chor des Kölner Bach-Vereins zeigte sich auf der Höhe seines Könnens und seiner stilistischen und gesanglichen Kultur. Wesentliche künstlerische Unterstützung leisteten das Kölner Kammersinfonieorchester und die Solisten Anni Bernards (Alt), Dr. D. H. Poell (Bariton), EmmyJohanns Schmidt (Sopran), Werner Dane (Tenor) und Paul Nitsche (Baß), sowie der Organist Helmuth Kahlhöfer. Zwischen den selben Chorwerken sang die Altistin Anni Bernards die bekannte Solokantate von Johann Christoph Bach "Ach, daß ich Wassers g'nug hätte", inder strömenden und doch beherrschten Stimme und in der Vertiefung des Ausdrucks eine unmittelbar überzeugende Leistung der weiterhin noch das Solo in Otto Siegls Kantate Abendopfer gleichwertig hinzutrat. Diese Kantate nach Worten von Tersteegen teilt die beiden äußern Strophen dem Chor, die beiden innern dem Solo zu. Es ist mehr ein lyrisch gerichtetes Werk, schwärmerisch in den unermüdlichen Lyrismen der geigerischen Umspielungen, oft volkstümlich einfach im Chor- und in der abschließenden Strophe stimmungsvoll geweitet. Auch hier wirkten die genannten Kräfte sowie der Sologeiger Oswald Winshauer mit künstlerischem Nachdruck. [erschienen in: Kölnische Zeitung/Stadt-Anzeiger, 20.03.1937, Abendblatt Nr. 145]
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