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[Dr. Herbert Eimert] - Wir sind es schon gewohnt, von Bach das weihnachtliche Musikevangelium entgegenzunehmen, und diese Gewohnheit bedeutet mehr als flüchtiger Konzerteindruck und Anlaß zur bloß stimmungsmäßigen Aufnahme des Bach'schen Weihnachtsoratoriums. Noch vor wenigen Jahren hat der Konzerthörer kaum Anteil an den Fragen der werkechten Bach-Darstellung genommen. Der entscheidende Wandel, der hier eingetreten ist und den Sinn für die Verantwortlichkeit gegenüber dem Stil und Werk Bachs wachgerufen hat, ist vor allem den Bach-Vereinen und den kleinen Chorvereinigungen zu danken, die das Klangbild der ältern Musik von der geschichtlichen Erkenntnis und vom Geist einer nur dem Werk dienenden Darstellung her durchdrungen haben. Nicht zuletzt hat auch der Rundfunk in dieser Hinsciht eine wesentliche Aufklärungsarbeit geleistet, u d zwar durch die Übertragung der Bach-Kantaten aus Leipzig, wo am kommenden Sonntag der vor sechs Jahren begonnene Riesenzyklus der 200 Kantaten, der für immer eine künstlerische Ruhmestat des Thomaskantor Karl Straube bleibt, beendet wird.
Der geistige Ort des Bachschen Weinachtsoratoriums ist die Kriche. Was das Werk im Konzertsaal verlieren muß, die Stille und den Zauber des Weihnachtlichen, erhält es im Kirchenraum zurück. So erfüllte auch die Aufführung des Weinachtsoratoriums in der Kartäuserkirche wieder die Voraussetzungen einer mit Stil und Geist des Werkes innig vertrauten Wiedergabe, nicht zuletzt dank der künstlerischen Hingabe, mit der der Chor des Bach-Vereins seine Aufgabe löste. Aus dem ganzen Kantatenkreis, den Bach als Weihnachtsoratorium zusammegefaßt hat, hob die Aufführung wieder die eigentliche Weihnachtsgeschichte bis zur Neujahrskantate heraus. Auch in dieser Fassung, die gegenüber der früher üblichen beträchtlich erweitert ist, bleibt der kirchlich-volkstümliche Grundzug des Ganzen erhalten: der ehrfürchtig-heitere Aufblick, der sich weltfromm "vergnügt" - um in der Sprache der Zeit zu reden - und im mystischen Seelentum dennoch das Unbegreifliche durchmißt.
Michael Schneider führte uns das Oratorium schlicht und erhebend vor. Er brachte das sichere Gefühl für den Stil des Werkes mit, das Gefühl für den einfachen, fließenden Ausdruck der Choräle und für die innere Bewegtheit der polyphonen Sätze. Es war im durchweg gelockerten Tempo und durchsichtigen Klang eine Gestaltung, in der die schöne Selbstverständlichkeit des Bachschen Linienflusses herrschte. Der Chor des Bach-Vereins sang mit überzeugender Sicherheit in Können und Ausdruck. Schöne Erfüllung fanden die Solistenpartien in dem leuchtkräftigen Sopran von Gerti Gnehm, dem ausdrucksvollen Evangelistentenor von Friedrich August Buschmann und dem charaktervollen Baß von Hans Losch. Klangvoll und ausgeglichen musizierte das Kölner Kammersinfonieorchester, dem in Lotte Hellwig-Josten (Violine), Gustav Preuß (Trompete), Paul Stolz (Flöte), Max Münch (Oboe d'amore) und Helmut Kahlhöfer (Orgel) vorzügliche Instrumentalsolisten zur Seite standen. An beiden Aufführungstagen folgte eine große Zuhörergemeinde dem Werk und seiner Darstellung mit innerer Anteilnahme. [erschienen in: Kölner Stadt-Anzeiger, 17.12.1937]
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[Wolters] - Joh. Seb. Bachs "Weihnachts-Oratorium", das der Bach-Verein alljährlich in der Kartäuserkirche zur Aufführung bringt, fand auch in diesem Jahr eine würdige Wiedergabe, der Prof. Michael Schneider als musikalischer Leiter die bestimmenden Züge gab. Die Gestaltung Prof. Schneiders, die im großen gesehen auf eine innerlich ausgeruhte und ausgewogene Flächenwirkung zielte, legte daneben auf mancherlei Einzelheiten ein Gewicht, das den erfahrenen Bachkenner verriet: die Klarheit der Stimmführung, die Natürlichkeit der musikalischen Phrasierung und die stetige Durchsichtigkeit des Satzes. Diesem eindeutigen Gestaltungswillen wußten sich die Ausführenden weitgehend anzupassen: in den solistischen Partien Greti Gnehm, die ihren klaren Sopran in edelm Ausdruck zu führen weiß, Berta Maria Klaembt, deren warm tönender Alt die gemütvollen Aufgaben dieser Partie sehr glücklich erfüllt, Prof. Hans Losch (Baß), der in Stil und Technik die besten Voraussetzungen für einen Bachsänger mitbringt; Friedrich August Buschmann (Tenor) wird gewiß einmal in die Aufgaben eines Evangelisten hineinwachsen, für die stimmlich und musikalisch gute Voraussetzungen da sind. Der Chor des Bach-Vereins entwickelte einen frischen Klang. Das begleitende Kölner Kammer-Sinfonie-Orchester folgte dem Willen des Dirigenten mit Hingebung ... [erschienen in: Westdeutscher Beobachter, 24.12.1937]
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Die alljährliche Aufführung des Weihnachtsoratoriums von Bach, die zu einem nicht mehr zu entbehrenden Brauchtum des Kölner Bach-Vereins geworden ist, war vor einem Jahr in die Christuskirche verlegt worden. Jetzt sammelte sich zweimal die Bachgemeinde wiederum um den Weihnachtsbaum in der Kartäuserkirche, und der Kerzenglanz hielt gerade so lange an wie die Kunst der Weihnachtsgeschichte. Professor Michael Schneider gab das Werk wieder bis zur Neujahrskantate, aber nicht in der stark gekürzten Form, wie es früher üblich war. Obwohl die großen Chöre und einige Arien andern Werken Bachs entlehnt sind, enthüllte sich die Übereinstimmung des Textes und der Musik und in der ruhigen, der Kirchenfeier entsprechenden und aus Bachschem Geist gewonnenen Darstellung Michael Schneiders die Einheit des Werks. Der Chor des Bach-Vereins, dem der instrumentale Klang in guter Abtönung angepaßt war, sang mit stimmiger Deutlichkeit und mit hörbarer Freude und ließ die Schönheiten des Satzes auch noch in den lebhaft genommenen Chorälen erkennen. In dem Kölner Kammer-Sinfonie-Orchester traten noch in den solistischen Aufgaben Lotte Hellwig-Josten (Violine), G. Preuß (Trompete), P. Stolz (Flöte), M. Münch und R. Faber (Oboe d'amore) hervor, während Helmut Kahldörfer stilgerecht die Orgelbegleitung ausführte. Auch die Solisten, vor allem die Frauenstimmen, fügten sich der Aufführung aufs Schönste ein: der helle, gut geführte Sopran von Greti Gnehm, der ausdrucksvolle Alt von Berta Maria Klaembt. Die Evangelistenrolle des Tenors sang Fr. August Buschmann, der auch in der Arie Beweglichkeit zeigte, die Baßpartie mit Charakteristik Hans Losch. Die musikalisch schönste Weihnachtsgeschichte entließ die Hörer in echter Feststimmung. [erschienen in: Kölnische Zeitung, 17.12.1937]
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Es ist nun schon zur lieben Gewohnheit geworden, um die weihnachtliche Zeit zur Kartäuserkirche zu gehen, um dort das Weihnachtsoratorium von Sebastian Bach in einer Aufführung durch den Kölner Bach-Verein zu hören und, wie man fortfahren könnte, auch zu erleben. Was Professor Boell, der Vorgänger Michael Schneiders als Leiter des Bachvereins, anbahnte und erstrebte: es ist nun schöne Erfüllung durch den neuen Kölner Kantor, Professor Schneider, geworden. Der Gedanke der alljährlichen Aufführung von Bachs lieblicher, das gemütliche Leipziger Barock spiegelnder Weihnachtsmusik hat sich so durchgesetzt, daß die Kirche schon in der Voraufführung restlos besetzt war. Mit Recht durfte man eine Aufführung der drei Kantaten des Weihnachtskreises erwarten, die auf dem festen Boden wissenschaftlicher Erkenntnis hinsichtlich der Aufführungspraxis Bachscher Tonwerke steht und zugleich den notwendigen künstlerischen Atem der guten Leistung besitzt. In jeder Hinsicht wurde das Vertrauen der Hörer zur Aufführung in der genannten Hinsicht gerechtfertigt. Der Kammerchor des Bachvereins, schon neulich als ein sehr sublimes Chorinstrument in der Hand seines Leiters hervorgetreten, wartete auch diesmal mit einem vollendeten Singen auf, das sich ebenso an das geschulte Ohr der Bachkenner wie an die Herzen der Hörer wandte. Vor allem erkennt man immer wieder, daß auch eine unsentimentale, sozusagen unromantische Art des Bachsingens gleichwohl voller Ausdruck des Herzens und Gemütstiefe sein kann ... Man verließ die kleine Konzertkirche wieder mit dem Gefühl, einer ebenso stil- wie kunstvollen Bachaufführung beigewohnt zu haben. [erschienen in: Der neue Tag, 22.12.1937]
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Konzert vom Februar 1938 Konzert vom 19.03.1937
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