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[Gerhard Bauer] - ... Bei Mahler war Christiane Oelze dann die zweite Stimme unter dem Solo-Alt (Michaela Schuster mit einem schönen "Urlicht"), und vollends gewann das Vokale Gewicht durch die vereinigten Chöre von Kartäuserkantorei, Bach-Verein, Figuralchor Bonn und Madrigal- und Kammerchor der Musikhochschule. Die Empore über dem Podium war brechend voll, das Klangresultat aber, und das ist bei Massenaufgeboten selten der Fall, überwältigte. Pianokultur, Homogenität, weite und gestufte Dynamik, mündend in einem strahlenden Fortissimo: Dies alles ließ den kitschgefährdeten Schlusshymnus leuchten - aber als schiere Reinheit des Gefühls.
Die instrumentalen Partien gerieten weitestgehend eindrucksvoll, standen der Chorgewalt gegenüber aber etwas im Schatten. Dem ersten Satz haftete bisweilen etwas Ängstliches, Buchstabiertes an; im Andante stand das Zopfige mit dem Kantablen nicht im Gleichgewicht und entbehrte, wie auch der Fischpredigt-Satz, der "Anführungszeichen". Stenz nahm da wohl zu viel für bare Münze. Und fragwürdig war die Maßnahme, den Kopfsatz an das Schubert-Lied zu hängen und dann in die Pause zu gehen. Mahler hat zwar "mindestens fünf Minuten" Abstand zwischen 1. und 2. Satz verlangt, diese aber zu Besinnung und Reflexion, weniger für Small Talk. Aber sei's drum. Der fabelhaften Darstellung der "Zweiten" durch das Gürzenich-Orchester war an diesem Mahler-Wochenende in der Kölner Philharmonie eine nicht minder imponierende Aufführung der "Sechsten" unter Iván Fischer druch das WDR Sinfonieorchester vorausgegangen ... [Erschienen in: Kölner Stadt-Anzeiger, 26. Oktober 2010]
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Die Herzen öffnen sich bei dem finalen Großangriff aller Musikanten in der Kölner Philharmonie - das Gürzenich-Orchester Köln unter der Leitung seines Chefdirigenten Markus Stenz interpretierte Gustav Mahlers "Auferstehungs-Sinfonie".
[Olaf Weiden] KÖLN. Die philharmonische Orgel, mit der Virtuosin Iveta Apkalna luxuriös besetzt, lässt sich mancherorts nur als Vibration in der Luft spüren. Fünf Chöre jubilieren, zehn Hörner und vielfaches Blech dröhnen, die Herzen öffnen sich bei dem finalen Großangriff aller Musikanten in der Kölner Philharmonie - das Gürzenich-Orchester Köln unter der Leitung seines Chefdirigenten Markus Stenz interpretierte Gustav Mahlers "Auferstehungs-Sinfonie" (auch heute und morgen).
Der beliebte dritte Akt wurde vorab und ganz offiziell kredenzt mit einer Bearbeitung des Schubert-Klavierliedes "Einsamkeit". Der Gürzenichkapellmeister Detlev Glanert hatte das durchkomponierte Lied für Orchester gesetzt und gewohnt dezente Farben gewählt. Die Kölner Sopranistin Christiane Oelze setzte in dieser rund zwanzig Minuten währenden deutschen Erstaufführung auf sängerisch dichte Linie statt auf Textverständlichkeit. Und die Musik belegte die Nähe zur Oper in mancher dramatischen Wendung und in Anlehnung an Rezitativ und Arioso.
Der Liedgattung diente der lyrische Ton dieser Sopranstimme - der Text von Johann Baptist Mayrhofer, im Programmheft mit- oder nachzulesen, ist ein schwülstiges Produkt eines romantischen Träumers. Bei Mahler werden die Worte, auch die ganz leise angesummten, mächtig, weil rund zweihundert Stimmen sie intonieren.
Vor dem "Auferstehn" mit saftig rheinischem Zischen durften die Streicher ruppig akzentuieren und bereits im 1. Satz eine wuchtige Fortissimosteigerung mit ihrem Chef perfekt inszenieren. Fernorchesterklänge schwappten durch auf und zu schnappende Türen, diese Sinfonie bietet ein Spektakel für Ohr und Auge - zum Auftakt ein Höhepunkt im Gürzenich-Abo. [Erschienen in: Kölnische Rundschau, 25. Oktober 2010]
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